Cordels im Interview

CORDELS Schmuckdesignerin Cordula Pinna-Weth

Cordula Pinna-Weth – genannt Cordel – ist selbständige Schmuckdesignerin mit eigener Designwerkstatt in Offenbach-Rumpenheim. Nachhaltigkeit, Upcycling, Recycling und der bewusste Umgang mit Ressourcen sind Themen, die sie privat und bei ihrer Arbeit beschäftigen. Ihre Produkte sind handgemachte Unikate und Kleinserien. Für das Interview durfte ich Cordel in ihrem Atelier besuchen und habe spannende Einblicke in die Schmuckwelt erhalten.

  Wer sich liebt, der schmückt sich.

1) Wie nachhaltig ist die Schmuckbranche? Warum sollte man auch bei Schmuck auf Nachhaltigkeit achten?

Schmuck ist ein weiter Begriff – in der Schmuckbranche werden traditionell jedoch vorwiegend Materialien verwendet, deren Abbau große Schäden in der Natur und auch am Menschen hinterlassen. Die edlen Metalle und Steine werden in Minen abgebaut und zum Teil durch giftige Chemikalien gelöst. Es gibt jedoch bereits die Möglichkeit, auf Nachhaltigkeit zu achten, indem man bei zertifizierten Händlern einkauft. Das Responsible Jewellery Council (RJC) ist eine gemeinnützige Organisation. Sie fördert ethische, sozial und ökologisch verantwortungsvolle Verfahren – in der gesamten Lieferkette für Juwelierwaren aus Diamanten, Gold und Platinmetallen, vom Abbau bis zum Einzelhandel. Auch auf das Siegel GEPA Fair kann man achten. Goldschmieden mit dem Label Oekogold verwenden oder handeln ohne Minengold. Die Edelmetalle sind ausschließlich aus Recyclingquellen.

2) Warum hast Du dich dazu entschieden ein eigenes Schmucklabel zu gründen?

Ich bin seit 1999 als Designerin in der Schmuckbranche tätig – also vorwiegend am Schreibtisch. Allerdings habe ich in meiner Goldschmiedeausbildung sämtliche Techniken gelernt, die man braucht, um Schmuck herzustellen – und in meinem Studium wurde der Schwerpunkt auf künstlerische Arbeiten und Techniken gelegt – also viel Potential, was danach nie angewendet wurde. Als ich betriebsbedingt im Mai 2018 arbeitslos wurde, hatte ich mich bereits damit beschäftigt, was es sonst noch für mich zu tun gibt auf dieser Welt – ich wollte nachhaltiger arbeiten, als das in einem Unternehmen der Fall ist. Also kaufte ich mir eine gebrauchte Schmuckwerkstatt, feilte ein halbes Jahr an meinen Techniken und fand dann langsam für mich zu meiner eigenen Kollektion und meinem Tätigkeitsschwerpunkt.

Den Namen CORDELS gab ich meinem Unternehmen, weil die Wortschöpfung aus meinem Namen kommt – aus meinem Spitznamen Cordel – und dieser Name gleichzeitig für Kordeln steht, die als Stilelement meine Kollektion prägen.

3) Was war die größte Schwierigkeit, auf die Du während der Gründungsphase gestoßen bist? Was erwies sich rückblickend vielleicht als einfacher als gedacht?

Der eigene Kopf ist die größte Hürde: Kannst Du das überhaupt? Traust Du Dir das zu? Wenn man allerdings gerade die Arbeit verloren hat, und – wie ich – der Typ Mensch ist, nach vorne zu blicken – setzt so ein Einschnitt unglaublich viele Energien frei. Also habe ich einfach angefangen.

4) Einfach anfangen und machen ist ein tolles Motto! Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

CORDELS Cordula Pinna-Weth Portrait003

Ich bin sehr vielseitig unterwegs, daher habe ich meine festen Öffnungszeiten wieder abgeschafft. Meistens sehe ich bereits in meinem Terminkalender, was der Tag bringt. Steht nichts drin, gehe ich in die Werkstatt, mache Reparaturen, zeichne, arbeite an meiner Kollektion – oder ich fotografiere die Stücke und stelle neue Beiträge für meine Website, Google, Instagram oder Facebook zusammen.

Das typische am Alltag der Selbständigen: es ist jeden Tag anders!

Ich biete außerdem Workshops für gemeinsames, kreatives Wirken. Besonders beliebt ist der Workshop für beste Freundinnen. Hier stelle ich gemeinsam mit den Teilnehmerinnen Freundschaftsbändchen aus Silber her. Die Teilnehmerinnen lernen richtige Handwerkskunst: Draht ziehen, Messen, Ausglühen, Feilen, den Draht zur Kordel drehen, Ösen wickeln, Löten, Sägen, Versäubern, Polieren – und am Ende des Workshops können sie ihr eigenes Bändchen mitnehmen.


5) Wie kommst Du auf Ideen für Deine Schmuck-Designs? Was inspiriert Dich?

CORDELS Cordula Pinna-Weth Cllaudias Hase

Die Ideen kommen tatsächlich am besten, wenn ich etwas Zeit habe, und verschiedenes in der Werkstatt ausprobieren kann. Dann entstehen Dinge, auf die ich am Schreibtisch vielleicht gar nicht gekommen wäre.


6) Woher beziehst Du Deine Materialien für Deine Kollektionen?

In meiner Kollektion verwende ich viele Materialien, die entweder schon lange in meinem Fundus schlummern, oder ich benutze Steine und andere Materialien, die als Restbestände der Schmuckindustrie nicht mehr verwendet werden können, da es sich um zu kleine Mengen handelt. Das Talkumpuder, welches ich für meine Gussformen benötige, ist von meiner Mutter und stammt aus dem Jahr 1976. Natürlich kaufe ich auch Materialien zu, aber der überwiegende Teil ist immer Up-gecycelt oder recycelt.

7) Du bist jeden Tag von vielen schönen Schmuckstücken umgeben, worauf achtest Du bei Deinem persönlichen Schmuck, den Du selbst trägst? Hast Du ein Lieblingsteil?

Am liebsten trage ich eine leichte Goldkette mit meinen Lieblingsanhängern: einen einfachen gedrehten Kordelkreis, einen facettierten Kugelanhänger mit Lapislazuli, und einen Korallentropfen. Bei den Ohrringen variiere ich – und meinen Amethystring trage ich so oft es geht. Ich habe ihn selbst gegossen, den Stein habe ich noch von meiner Zeit aus der Goldschmiedeschule, und die champagnerfarbenen Diamanten geben dem Ganzen den letzten Schliff.

8) Wie integrierst Du Nachhaltigkeit in Deinen Alltag?

Mein Kollektions-Ansatz bezieht die Nachhaltigkeit direkt mit ein: Mein Konzept, die Materialien aus der eigenen Schmuckschatulle zu benutzen, um daraus neue Dinge zu entwickeln, umzuarbeiten oder in ein neues Schmuckstück zu schmelzen ist komplett nachhaltig. Für das Gussverfahren, das ich zum Schmelzen benutze, wird Sand von 1985 verwendet, der immer wieder neu als Form genutzt wird.

In meinem persönlichen Alltag kaufe ich vor allem unverpackte Dinge ein, Stopfe Löcher in meinen Kleidern, lebe bewusst, ernte Obst aus meinem Garten, trenne Müll und verschwende nichts. Putzlappen werden gewaschen und nicht weggeschmissen – es gibt tausend Dinge, die man machen kann!

In den Urlaub fahre ich regional, das Flugzeug habe ich privat sehr lange nicht benutzt und versuche, Flugreisen zu vermeiden. Ich versuche oft Fahrrad zu fahren – und mein großes Auto werde ich fahren, bis es kaputt ist, danach kein neues kaufen.

Liebe Cordel VIELEN DANK FÜR DEINE ZEIT! www.cordels.de

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